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Unsere Demokratie krankt – leider: Die Zeit vor der Wahl als Beispiel eines Teufelskreislaufs.

 

Ja, unsere Demokratie krankt: Im folgenden Text möchte ich dies anhand der nun nahenden Wahl und des nun anlaufenden Wahlkampfes beispielhaft thematisieren.

Während des Lesens der Politik-Ressorts von tagesschau.de, spiegel.de, faz.net & Co. fällt mir derzeit eines immer wieder auf: Hauptsächlich werden die Parteien und die Kandidaten vor die Mikrofone und Laptops gezogen, die auch a) die Mehrheit der Stimmen der letzten Bundestagswahl inne hatten und b) auch weit oben auf den Stimmzetteln der kommenden Wahl platziert werden: Die Artikel über sie und ihre Politik bekommen meist ganz prominent die obersten Plätze auf den Portalen – also da, wo sie jeder sieht. Zumeist handelt es sich hierbei um die üblichen Parteien, die eben auch jeder mehr oder weniger gut kennt: SPD, CDU/CSU, FDP, Die Grünen und neuerdings die AfD als „enfant terrible“: Den neuesten Hype / Boom der Artikel-Präsenz hat nun der neue Spitzenkandidat Martin Schulz eingeheimst, der sogar eine Brennpunkt-Sendung spendiert bekommen hatte. Brennpunkt-Sendungen werden im TV eigentlich nur bei Katastrophen oder Terroranschlägen in der westlichen Welt angesetzt – also was sollte diese „Hyperventillation“ bzgl. Schulz?

ABER: Leben wir nicht in einer Demokratie, in der Chancengleichkeit und Chancengerechtigkeit angelblich ganz gro&suml; geschrieben werden, in der diese beiden Begriffe sogar im Grundgesetz (z. B. Artikel 2 und 3) verankert sind? Das hie&suml;e doch im Umkehrschluss, dass auch die kleineren Parteien eine gleich gro&suml;e, aber zumindest ähnliche Medienpräsenz gerade vor einem Wahlkampf haben sollten, so lange sie eben verfassungskonform sind, Demokratie unterstützen und in meinen Augen ein humanistisches Weltbild im vollen Umfang vertreten – oder etwa nicht?
Die Crux bzgl. des humanistischen Weltbildes in Verbindung mit manchen Parteien, die momentan im Bundestag sitzen, möchte ich hier nicht thematisieren, da dies zu weit führen würde.

Nun könnte man entgegnen, dass die kleineren Parteien eben keine fähigen Politiker hätten, da sie „ja eben kleine Parteien ohne gro&suml;en Einfluss und Erfahrung“ seien. Das mag mittlerweile nach Jahren des gleichen Vorwahl-Procederes auch so stimmen, da ein werdender, interessierter Politiker, der auch etwas bewegen möchte – sei er dazu fähig oder nicht – eben in eine Partei geht, die eine gro&suml;e Reichweite hat – sei es politisch oder medial. Manche mögen den Beruf als Politiker auch wählen, weil sie gerne Macht über andere Personen ausüben wollen – nur um der Macht wegen, um Einfluss auszuüben: Diese Klientel würde auf Dauer eben auch eher eine Partei auswählen, in der die gro&suml;e Reichweite eher garantiert ist. Der Idealist hingegen sucht sich je nach Toleranz ggü. der im Parteiprogramm festgehaltenen Ziele eher eine zu seinen Idealen passende Partei aus – sei es eine kleine oder gro&suml;e Partei.
Es mag noch viele andere Motive geben. Kurzum: Die Parteien mit der grö&suml;ten Politik- und Medienpräsenz haben auch den grö&suml;ten Zufluss an neuen, politikwilligen Mitgliedern – eben aus den verschiedensten Motiven heraus.

Dies ist ein gefährlicher Teufelskreislauf aus Präsenz und Zulauf, der sich 1:1 in den Mitgliederzahlen der Parteien, deren besetzten, politischen Ämtern und der Medienpräsenz zeigt, der sich schon über Jahrzehnte seit der Gründung der BRD in ähnlicher Weise fortsetzt. Hinzu kommen noch mindestens zwei wesentliche Verstärkungen auf Seiten der Wähler: Entweder ist es die auch immer geartete, teils sehr berechtigte Politiker-Verdrossenheit und auf der anderen Seite der persönliche Faktor Zeit, der aus diversen verständlichen und unverständlichen Gründen für Politik zu knapp ist.

Das Resultat sieht man in der jetzigen Politik-Landschaft, die langweiliger nicht sein könnte: CDU / SPD sind näher beieinander als sie jemals waren, die FDP ist seit jeher liberal bis neoliberal und die Grünen sind spätestens seit Fischer auch in der totalen Einheitsmitte angekommen, sodass Merkels CDU mit dem Beschluss des Endes der Atomkraft grüner als die bisweilen olivgrünen Grünen ist. Ja, auch die AfD ist im Grunde genommen ein Langweiler, da sie – neben dem unsäglichen rechten Zulauf – erst recht(s) eine Politik des Gesterns vertritt und bei vielen als Abbau von Aggressionen auf einem (noch) Nebenschauplatz dient.

Es fehlt an Debatten, offenen Debatten mit Substanz und einem breiten(!) Spektrum an Meinungen und Positionen, die auch konträr au&suml;erhalb des Einheistsbreis in Maischberger, Will und Lanz konstruktiv gehalten werden, die neue Ideen wie das „bedingungslose“ Grundeinkommen offen diskutieren, die eine konstruktive Friedensbewegung zulassen und z.B. die Relais-Funktion Ramsteins nicht erst nach über 1 Jahr Nachfrage und elendigem, offensichtlichen Herumdruksen / Leugnen (s. dazu auch das Interview z. B. vom ehem. Dohnen-Piloten Brandon Bryant) in den Bundespressekonferenzen zugeben. Die Liste der Themen könnte hier noch viel länger werden.

Dazu zählt dann eben auch ein Einladen der Spitzenkandidaten aller Parteien, die auf der Wahlliste stehen, damit alle gleichberechtigt, transparent ihre Ideen von Bundespolitik in Online-Portalen oder gar im TV vorstellen können: Dadurch würde eben dieser Teufelskreis eher durchbrochen: Die Medienpräsenz würde steigen, damit auch die Chancen des Wahrgenommenwerdens der Politiker in den einzelnen, auch kleinen Parteien!
… und wenn sie bisher keinen Spitzenkandidaten haben: Stellen Sie sich mal den möglichen Motivationsschub vor, die eine kleine Partei hätte, wenn die gro&suml;en Verlagshäuser anrufen würden – und das regelmä&suml;ig im 4-jahres-Rythmus -, um nach ihrem Spitzenkandidaten zu fragen und den einzuladen! Wie schnell wäre dann einer intern gefunden? Wenn nicht: Wäre es evtl. sinnvoll, dass jede Partei einen möglichen Bundeskanzler-Kandidaten vor der Wahl stellen muss? Ein reger Austausch innerhalb und auch zwischen den Parteien wäre die Folge: Wer ist kompetent genug, um solch ein Amt zu übernehmen? Wer stellt welchen Kandidaten auf, wen kann eine andere Partei geschickt gegen diesen aus einer anderen Partei positionieren?

Aber bisher scheint dies nicht bedacht oder gar gewollt zu sein. Wieso? Evtl. weil es oft auch um Machterhalt geht – nicht eben primär darum, ein Land und die ganze Menschheit weiter nach vorne zu bringen. Letzteres scheint bisher oft eher ein Nebenprodukt zu sein, wenn man sich die Schieflage der Umwelt (anthropogene Erderwärmung), die soziale Schere weltweit (8 Menschen besitzen so viel wie 3,5 Mrd), die massenhaften, menschenverachtenden Kriege … usw. anschaut.
Es ist eben ein Teil des althergebrachten divide et impera: Es wird die Politik-Landschaft geteilt – in eine seit Jahrzehnten herrschende Riege und in eine, die eben aufgrund z.B. der o.g. Faktoren Zeit für Poiltik und Medienpräsenz auf der anderen Seite nur schmückendes Beiwerk auf einem streng geordneten Wahlzettel, auf dem die gro&suml;en, herrschende Parteien oben stehen (Anm.: Wieso werden die Plätze auf den Wahlkzetteln nicht einfach ausgelost?), sind. Das hat nichts mehr mit Chanchengleichheit / – gerechtigkeit zu tun.
Denn ein wesentlicher Faktor kommt zum gewollten Machterhalt hinzu: Eine politische Landschaft, in der regelmä&suml;ig 20 Parteien und Kandidaten ihre Politik in einem echten Wettbewerb vom Volk bewerten und eben wählen oder nicht wählen lassen, ist die Kontrolle um einen Machterhalt schwieriger als in einem System, in der dieser Erhalt seit Jahrzehnten zwischen 2 Parteien pendelt – maximal mit verschiedenen Koalitionspartnern.

Wäre doch mal interessant, eine Art DSDBK, also „Deutschland sucht den Bundeskanzler“, im TV oder in den Online-Portalen zu sehen, in der eben möglichst alle Parteien mit ihrem möglichen Bundeskanzler und ihren Konzepten, Visionen, deren Vor- und Nachteile neutral und transparent usw. vor einer Wahl vorgestellt werden. Anfangs gäbe es mit Sicherheit einige Katastrophen bzgl. der vorgestellten Konzepte und Kandidaten auf beiden Seiten – der etablierten und der kleinen Parteien – auszuhalten, aber ich bin mir fast sicher, dass wenn diese Konzept der breiten Präsenz aller Parteien / Kandidaten auf Dauer eingehalten würden, würde die Qualität durch einen regeren Wettbewerb und Austausch steigen. Ein genaueres Konzept wäre natürlich zu überlegen, vor allem in Puncto Transparenz und grundsätzlichen „Spiel-“ / Systemregeln.
… und nicht, dass sich auf einmal die Menschen wieder mehr für Politiker / Politik interessieren würden, die Wahlbeteiligung doch wieder weit über die ~71,5% von 2013 steigen würde … wo kämen wir denn da hin?! ūüėČ

Wenn solch ein Konzept in Planung wäre, ich würde die Wette eingehen, dass einige Spitzenkandidaten der etablierten Parteien so etwas boykottieren würden, weil z. B. „sie ja auf keinen Fall mit einem Kandidaten der AfD“ diskutieren wollen bzw. in einem Raum sein wollen. Wieso aber wohl wirklich … ?

Der Begriff des Putinverstehers: Der Unterschied zwischen Verstehen, Akzeptieren und Unterst√ɬľtzen.

 

Ich m√ɬ∂chte hier im Kontext aus aktuellem Anlass kurz das Wort „Putin-Versteher“ aufgreifen:

Laut Duden hat das Verb „verstehen“ die Bedeutung, dass jemand den Sinn von etwas erfasst hat, sich in die Lage eines anderen hineinversetzen konnte und dessen Sichtweise nachvollziehen kann.
Das Verb „akzeptieren“ hei√ÉŇłt hingegen, dass jemand die Meinung des anderen anerkennt oder gar annimmt und begr√ɬľ√ÉŇłt. In gewisser Weise kann gesagt werden, dass im Gegensatz zum Vorgang des Verstehens derjenige, der eine Meinung akzeptiert, auch diese in gewisser Weise hinnimmt oder gar mit dieser – wenn auch nur teilweise(!) – emotional oder auf Vernunftsebene einverstanden ist.
Jemand kann jedoch auch eine Meinung teilweise akzeptieren oder verstehen, die nicht unbedingt dessen eigenen Standpunkt im Vollen entspricht. Das ist besonders dann der Fall, wenn diese Meinung im Allgemeinen dem eigenen Konsens √ɬľber einen Sachverhalt nicht allzu sehr widerspricht und er sich dadurch eventuell positive Sanktionen erhofft. Eine m√ɬ∂gliche, definitive Grenze des Akzeptierens ist aber dann erreicht, wenn z.B. das k√ɬ∂rperliche und / oder das geistige Wohlbefinden des Urteilenden oder anderer Individuen (besonders von Bezugspersonen) kurzfristig oder gar langfristig in Gefahr ist / sind.

Manchmal aber kann man auch Meinungen vordergr√ɬľndig akzeptieren oder gar unterst√ɬľtzen, wenn diese von au√ÉŇłen durch materielle / soziale, negative Sanktionen erzwungen werden, um eben diese drohenden negativen Sanktionen im Vorfeld und eventuell weitere zu vermeiden. Gerade die Wirkung von sozialen, negativen Sanktionen sind bei einem sozialen Wesen, wie es der Mensch nun mal als M√ɬ§ngelwesen sein muss, nicht zu untersch√ɬ§tzen. Ein Mensch sucht immer Anschluss an die Gesellschaft, sucht Orientierung, Halt und Unterst√ɬľtzung – je nach Intelligenz und Aufkl√ɬ§rungsgrad mehr oder weniger.
So sind f√ɬľr manche z.B. Online-Presseportale, B√ɬľcher, Zeitschriften und Zeitungen als eine Art Leitfaden f√ɬľr die eigene Orientierung zu sehen: Sie bereiten Meinungen, Stimmungen oder ganz neutral Fakten / Vorg√ɬ§nge selektiv auf und pr√ɬ§sentieren diese. Verst√ɬ§rkt wird diese Orientierungsfunktion aus gesellschaftlicher und individueller Perspektive dadurch, dass besonders die allgemeinen, f√ɬľr jeden zug√ɬ§ngliche Medien, die die Realit√ɬ§t in bestimmten Bereichen selektiv abbilden sollen und wollen, von vielen aus diversen Gr√ɬľnden / Mechanismen eine Autorit√ɬ§tsfunktion unterstellt wird. Autorit√ɬ§ten haben seit je her eine besondere, leitende Funktion in der Gesellschaft und damit auch eine besondere Verantwortung – ob sie wollen oder nicht. Auch dies ist von der Intelligenz und vom Aufkl√ɬ§rungsgrad des Individuums abh√ɬ§ngig.
Ein neuer Mechanismus, den es in der Breite vor nicht allzu langer Zeit im Zusammenhang mit reinen Printmedien noch nicht gab, liegt der Kommentarfunktion, die die meisten Online-Portale nun zu Artikeln anbieten, zugrunde: Hier k√ɬ∂nnen (selektiv) Meinungen von Lesern ver√ɬ∂ffentlicht werden – selektiv, da oft eine Redaktion oder ein kleines Team die Aufgaben hat Qualit√ɬ§t und Netiquette zu sichern. Was auf der einen Seite gut und wichtig erscheint, birgt aber auf der anderen Seite eine Gefahr: dass eben dieses selektive Vorgehen „zu selektiv“ betrieben werden k√ɬ∂nnte und so eben nur eine scheinbare Meinung der allgemeinen Kommentatoren entsteht und keine breite, differenzierte Sicht.

Was hat das nun mit der √ÉŇďberschrift und den sog. „Putinverstehern“ zu tun? In vielen Kommentaren und in manchem Artikel, die die aktuelle politische Lage aufgreifen, wird der Begriff „Putinversteher“ genannt, um Menschen, die Putins Meinung (scheinbar) verstehen(!), abzuwerten und so eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Sichtweise im Keim zu verhindern. Wieso sollte es schlimm sein, eine Meinung des anderen zu verstehen – auch wenn sie √ɬľberhaupt nicht der eigenen entspricht? Es ist die Basis eines Urteils, eine Meinung zu verstehen, um dann abw√ɬ§gen zu k√ɬ∂nnen, ob diese abgelehnt, akzeptiert, oder unterst√ɬľtzt wird – in Teilen oder im Ganzen. Dies gilt f√ɬľr einen B√ɬľrger in einem demokratischen Land erst recht, sodass der Begriff Putinversteher eigentlich positiv zu sehen ist und zeugt von Empathie sowie gewisser Intelligenz. Das gilt dann erst recht, wenn eine Meinung oder ein Weltbild gar so krude und absurd ist, dass es zun√ɬ§chst unlogisch und nicht kongruent erscheint.

Anders gesehen: Wenn jemand den Begriff Putin-Versteher als Missbilligung verwendet, k√ɬ∂nnte dahinter ein einfaches, begriffliches Missverst√ɬ§ndnis, oder aber das Motiv des Versuchs einer einfachen Meinungsmache stehen, in dem nicht an die Intelligenz und Kritikf√ɬ§higkeit des Einzelnen appelliert wird, sondern an das dumpfe Gef√ɬľhl der m√ɬ∂glichen Ausgrenzung, gekoppelt mit reiner Meinung √ɬľbern√ɬ§hme. Letzteres ist dann eine Gefahr, wenn die Selektionsmechanismen einer als Autorit√ɬ§t wahrgenommenen Quelle, √ɬľber die Kommentare oder gar Artikel zur Ver√ɬ∂ffentlichung eventuell frei gegeben werden sollen, nicht mehr rein der Qualit√ɬ§tssicherung und Netiquette dienen, sondern oft Meinungen einer bestimmten Richtung als Grundlage haben – dann k√ɬ∂nnte ein Medium als politisches Instrument missbraucht werden. Dies h√ɬ§tte dann in einem demokratischen Land auch nichts mehr mit Qualit√ɬ§tssicherung zu tun, denn die Qualit√ɬ§t einer Demokratie l√ɬ§sst sich m. E. unter andrem an dem Zugang, Verst√ɬ§ndnis und der kritischen Auseinandersetzung eines breiten Spektrums anderer Meinungen ablesen.
Vielleicht aber reicht auch einfach nicht der Grad der Aufkl√ɬ§rung derjenigen, die den o.g. Begriff nutzen, um letztlich die Sichtweise anderer voll / in den wichtigsten Grundz√ɬľgen zu verstehen.

Letztlich gibt es noch die M√ɬ∂glichkeit der einfachen Begriffsverwechslung: Im Umgangssprachlichen kommt es schon mal vor, dass die Begriffe Verstehen und Akzeptieren vermischt werden, wobei das Verstehen dialektisch gesehen vor dem Akzeptieren stehen m√ɬľsste. Man k√ɬ∂nnte das bewusste Ausnutzen und Spielen mit dieser (doch groben) „Trennungsunsch√ɬ§rfe“ gerade bei solchen Begriffen aus vielerlei Motiven heraus unterstellen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich Putins Meinung in irgendeiner Weise unterst√ɬľtze, sondern m√ɬ∂chte nur auf diesen o.g., weiteren Missstand unserer Gesellschaft hinweisen. Der Begriff „Putinversteher“ ist √ɬľbrigens austauschbar und dann in anderen Kommentaren in anderer Form zu anderen Themen wiederzufinden.

Meinung: Wahlergebnisse mal anders dargestellt – Landtagswahl Th√ɬľringen 2014 und Bundestagswahl 2013

 

Schaut man sich die √ɬľblichen Sendungen und Berichte im Internet √ɬľber die Ergebnisse z. B. der aktuellen Landtagswahl in Th√ɬľringen 2014 oder der vorigen Bundestagswahl aus dem Jahre 2013 an, so f√ɬ§llt auf, dass zumeist eine scheinbar komplette √ÉŇďbersicht der Wahlergebnisse bzgl. der Zweitstimme (Sitzverteilung der Parteien im Land- / Bundestag) als Infografik oder Tabelle gegeben wird.

Allerdings bin ich der Meinung, dass die Art und Weise, wie diese Daten grafisch aufbereitet werden, nicht die komplette Wahrheit widerspiegeln: Zwar werden die Nichtwähler öfters mal abseits der Grafiken oder separat in den Grafiken genannt, tauchen aber in den Balkendiagrammen oder Tabellen nie in der Form auf, dass sie mit in die 100% einbezogen werden. Um nun wirklich einen etwas genaueren Eindruck zu bekommen, wie unsere Demokratie derzeit an Wahltagen ausschaut und was genau gemeint ist, hier zunächst 2 Tabellen zur Bundestagswahl 2013:

Ergebnis Bundestag 2013

Tabelle 1 (links) zeigt das √ɬľbliche Ergebnis, wie es an vielen Stelle zu lesen ist. Geht man nun von den weiteren, offiziellen Zahlen aus, dass sich n√ɬ§mlich 71,5% der Wahlberechtigten beteiligt haben, dementsprechend 28,5% nicht w√ɬ§hlen waren, so ergibt sich ein neues Bild: Werden die 28,5% der Nichtw√ɬ§hler mit in die Berechnung / in die Verteilung hinein genommen, sodass nun wirklich 100% aller Wahlberechtigten in der Tabelle ber√ɬľcksichtigt werden, so ergibt sich ein deutliche Verschiebung der Prozentzahlen – siehe Tabelle 2. Die zweitst√ɬ§rkste „Fraktion“ w√ɬ§ren dann die Nichtw√ɬ§hler mit 28,5% – knapp hinter der CDP mit 29,13%. Umgerechnet auf absolute Werte hie√ÉŇłe dies: nicht ann√ɬ§hernd jeder 2. hat die CDU gew√ɬ§hlt, sondern knapp weniger als jeder 3.!

Noch deutlicher wird dieser Unterschied bei der Landtagswahl in Th√ɬľringen 2014: Als Grundlage wurde das vorl√ɬ§ufige Endergebnis von ca. 16:00 Uhr am heutigen Tage (15. 9. 2014) genommen. Auch hier wieder die gleiche Umrechnung:

Ergebnis Bundestag 2013

Hier lag die bislang ermittelte Wahlbeteiligung bei nur 52,7%, d. h. fast jeder 2. Wahlberechtigte blieb zu Hause (s. Tabelle 1 unten). So ergibt sich zunächst aus Tabelle 1 ein Bild, dass ungefähr jeder 3. die CDU gewählt habe (33,5%), die Linke noch weniger als jeder 3., nämlich ca. jeder 3,5te (28,2%). Die letzten beiden Zahlen haben die Wähler Рnicht Wahlberechtigten Рals Basis / 100%.

ABER auch hier sollten meiner Meinung nach auch die Nichtwähler mit einbezogen werden Рerst recht, wenn die Wahlbeteiligung in einer Demokratie so niedrig ist wie hier ermittelt. Die 100% sollte sich also auf alle Wahlberechtigten beziehen!
So ergibt sich dann doch ein anderes Bild – siehe Tabelle 2: Werden die drei Top-Ergebnisse nun wieder auf absolute Zahlen umgerechnet, so stellt man fest, dass – wie gesagt – nur knapp jeder 2. w√ɬ§hlen war (47,3%), nur noch ann√ɬ§hernd jeder 6. CDU (17,65%) und fast jeder 7. die Linken (14,86%) f√ɬľr wahlw√ɬľrdig hielt.

Einerseits ist es das gute Recht eines B√ɬľrgers, aus diversen Motiven heraus nicht zur Wahl zu gehen. Mir stellen sich aber bei dieser etwas anderen Betrachtung mehrerer Fragen:
Woher kommt diese Politik(er)verdrossenheit in Th√ɬľringen (und im gesamten Bund)? Steht dort Werteverdruss beider Seiten hinter? Politiker und Parteien werden in unserer Demokratie direkt vom Volk gew√ɬ§hlt, sind also Volksvertreter. Nur: Wie hoch muss die Wahlbeteiligung mindestens sein, dass von Volksvertretern die Rede sein kann? 10%? 50%? 30%? Anders formuliert: Ist es in einer Demokratie zul√ɬ§ssig, dass – angenommen die Wahlbeteiligung w√ɬľrde deutlich unter 50% sinken – die Mehrheit durch die Wahlen einer Minderheit mitbestimmt gar gelenkt werden? Ist das Nichtw√ɬ§hlen pauschal eine indirekte Einwilligung dazu? Darf sich eine moderne Demokratie solch eine hohe Wahl-Nicht-Beteiligung auf Dauer leisten? Bis zu welchem Punkt ist dies in einem an humanistischen Werten orientierten, freiheitsliebenden, christlichen Land legitim?

(c) 2014 Rene Widmer.

Quellen (abgerufen am 15.9.2014):
www.faz.net/op900/event/landtagswahl-in-thueringen/live/
de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2013

Vegetarismus – Moralische Fragen an den Philosoph Prof. Bernd Ladwig (FAZ)

 

Ein interessanter Artikel, der auf FAZ-Online ein Interview von Prof. Bernd Ladwig darstellt. Er ist Professor f√ɬľr politische Theorie an der FU Berlin.

Ladwig: „Die Moral gebietet auf Fleisch zu verzichten.“

Hier werde einige interessante Positionen zum Thema Vegetarismus und Moral aufgegriffen, die auch abseits der √ɬľblichen Diskussion moralische Fragen aufwerfen und beantworten.

Aber lest selbst…

Der „Studifinder“ – Eine m√ɬ∂gliche Studiengang-Wahlhilfe

 

Vielleicht hilft es einigen ein wenig bei der richtigen Wahl:

Der Studifinder

Zitat: „Der StudiFinder ist ein gemeinsames Angebot der √ɬ∂ffentlich-rechtlichen Fachhochschulen und Universit√ɬ§ten des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Ministerium f√ɬľr Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF) des Landes.“

EW – Werte in verschiedenen Kulturen: Mal ein anderer Ansatz

 

Hier findet ihr eine interessante Umfrage zu den verschiedensten Werte- und Normenvostellung rund um die Verteidigung sowie den Bezug zum eigenen Land und die Realtionen zu anderen Ländern. Befragt wurden Menschen aus den USA, GB, D, Esp, Fr und der BRD.

The American-Western European Values Gap

H√ɬ∂chst interessant wie ich finde. Danke an Bj√ɬ∂rn f√ɬľr diesen Fund.

Vegetarismus: Eine moralisch, philosophische Frage, die jederf√ɬľr sich selbst beantworten muss.

 

Wer sich mit der Frage „Ist Vegetarismus etwas f√ɬľr mich oder ist es ein reines Luxusproblem anderer?“ so oder so √ɬ§hnlich schon einmal auseinander gesetzt hat – oder eben noch nicht -, dem sei diese Diskussion ans Herzen gelegt:

Precht und Spaemann: Tiere essen?

Auch hier ist wieder R. Precht mit von der Partie, diesmal aber mit dem Philosophen R. Spaemann.

P.S.: Freud w√ɬľrde in etwa sagen: „Der Mensch ist Meister im Verdr√ɬ§ngen.“ =)

EW РInterkulturelle Pädagogik: Muslime fordern eigene gesetzliche Feiertage

 

Hier mal ein interessanter, diskussionsw√ɬľrdiger und kritisch zu sehender Vorschlag eines t√ɬľrkischen Mitb√ɬľrgers:

welt.de – Muslime fordern eigene gesetzliche Feiertage

Die alte Frage, die ihr mir auch oft gestellt habt: Wie weit darf / muss / soll die Majorität der Minorität entgegen kommen, ohne die eigene Wir-Identität zu verlieren?

Interessant dazu sind auch die Kommentare der Leser, die unter dem Artikel zu finden sind.