Archiv für März, 2009

EW GK 11 – Erläuterung zum Beispiel Nr. 2: Mutter und Kind.

Also, hier nun mal eine kleine Erläuterung zum Beispiel Nr. 2 auf dem Arbeitsblatt:

Erste Variante aus der Sicht des Kindes:
Das Kind schreit. Sobald es dies macht, kommt die Mutter herbei, nimmt es in den Arm und tröstet es. Dies geschieht mehrmals hintereinander. Daher lernt das Kind: Wenn ich schreie, kommt meine Mutter und hält mich lieb / versorgt mich. Das Versorgen kann also im Sinne des operanten Konditionierens als eine positive Verstärkung gesehen werden, da ein angenehmer Reiz auf eine Handlung folgt. Damit wird die Auftretenswahrscheinlichkeit der Handlung “Schreien” erhöht.

Zweite Variante aus der Sicht der Mutter:
Die Mutter hört ihr Kind schreien. Wenn sie zu ihrem Kind hin geht, es in den Arm nimmt und ihm positive Zuwendung schenkt, hört es auf zu schreien. Wenn dies mehrmals hintereinander geschieht, kann ein (unbewusster) Lernprozess bei der Mutter erfolgen. Das Schreien des Babies kann also aus der Sicht der Mutter als ein aversiver (neagtiver) Reiz aufgefasst werden. Im Sinne von Skinner und der operanten Konditionierung handelt es sich hier um eine negative Verstärkung, da ein aversiver Reiz eine Auftretenswahrscheinlichkeit – nämlich das Trösten des Kindes – steigert!

Das Wort “negativ” im Skinnerschen Begriff “negative Verstärkung” kann also so gesehen werden, dass ein negatives (aversives) Ereigniss eine Auftretenswahrscheinlichkeit erhöht.

Die Gefahr besteht also darin, dass das Kind auf Dauer lernt, dass die Mutter immer zum Verwöhnen allzeit bereit steht – es braucht nur kurz zu schreien. Wie würdet ihr der Mutter am effektivsten aus der Misere helfen?